Wednesday, August 02, 2006

Eines Hisbollah-Propagandisten Ratschläge

"Hier im Libanon", chattet Patrick Leclercq, "findet keinerlei Zensur statt". Schlimmstenfalls gibt es "Auflagen", "z.B. wenn wir Einrichtungen der Hisbollah filmen wollen oder wenn wir uns in einem Gebiet bewegen wollen, das von der Hisbollah kontrolliert wird". Beirut, erklärt der ARD-Reporter, sei "traditionell eine Weltstadt wie London oder Paris. Es ist für Europäer und selbst für Amerikaner völlig unproblematisch, sich in Beirut zu bewegen oder zu leben."

Wo es indes weniger "traditionell" zugeht, etwa "in den südlichen Vororten, die überwiegend schiitisch sind und die auch von der Hisbollah kontrolliert werden", ist es "nicht ratsam für Ausländer, sich allein dort zu bewegen. Das war aber auch schon lange vor dem Krieg so." Sozusagen wohl eine Moderne, für die die Hisbollah verantwortlich ist, die aber doch recht liebenswert ist, schließlich "fing sie als Hilfsorganisation an" und kenne er "selber Mitglieder der Hisbollah, die im Privatleben völlig normalen Berufen nachgehen".

Und weil die so nett sind und so liebenswürdig - und nur "in einer solchen Situation dann auch zur Waffe greifen" -, empfiehlt Patrick Leclercq, ihnen unter die Arme zu greifen. "Es sollte möglichst viel Information über das Leid der Menschen verbreitet werden, besonders über die Situation der Kinder und der alten Menschen" - im Libanon, vergißt er anzumerken -, "dann entsteht möglicherweise ein humaner Druck, der die politisch Handelnden zum Überlegen bringt." "Humaner Druck", das klingt gut, die Hisbollah wird er aber wohl nicht meinen.

Dieses "möglichst viel Information über das Leid der Menschen" jedenfalls, das er verbreitet sehen will, entsteht, das räumt er ein, unter "Auflagen" oder wird gleich von der Hisbollah geliefert, denn "die ist absolut professionell." Ihr Sender Al-Manar ist sein Lieblingskanal und läuft "ständig", "weil bis ins kleinste Detail über den letzten Stand der Kämpfe informiert wird." "Unzensiert", nur mit ein paar kleinen "Auflagen": "Natürlich sollte man davon ausgehen, dass viele Informationen so nicht unbedingt stimmen."

Aber "verbreitet" werden "sollte" doch "möglichst viel Information", damit "möglicherweise ein humaner Druck, der die politisch Handelnden zum Überlegen bringt", entsteht, meint der Patrick Leclercq. Er sagt auch: "Israel hat nach meiner Meinung völlig überreagiert. Man hätte sicher auch auf den Verhandlungsweg zu einer Lösung kommen können." Womöglich noch am Verhandlungsort Süd-Beirut, wo es nach wie vor "nicht ratsam für Ausländer [ist], sich allein dort zu bewegen". Wahrscheinlich, weil die Hisbollah so gern verhandelt, besonders mit Vertretern jenes Staates, den sie nur in Anführungszeichen kennt.

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