Wednesday, June 14, 2006

"Das Abendblatt berichtete"

Der Heise-Mann vor Ort, er hört auf den deutschen Namen Peter Schäfer, überschrieb seine Story "Israelisches Militär bombardiert palästinensische Familie beim Picknick" und ließ keinen Zweifel daran, daß er die Wahrheit verbreite: "Vom israelischen Militär wird weiterhin die Möglichkeit erwogen, dass die Explosion durch Palästinenser verursacht worden sein könnte, wofür es allerdings keinen Hinweis gibt."

Keinen Anlaß zu zweifeln hatte auch das Hamburger Abendblatt, das an die Gefühle seiner deutschen Leser appellierte: "Die zehnjährige Huda Ghalia und ihre elf Brüder und Schwestern hatten sich auf einen schönen Tag am Strand von Beit Lahija im nördlichen Gaza-Streifen gefreut. Ihr Vater hatte den Kindern ein Picknick versprochen, wenn sie ihr Schuljahr mit guten Noten abschließen würden. Doch der Familienausflug wurde jäh unterbrochen, als ein Geschoß detonierte und acht Menschen in den Tod riß."

Abgeschossen hatte das "Geschoß", wie in solchen Fällen Deutsche immer sofort wissen, der gemeine Jude: "Israels Marine tötet Hudas Familie am Strand", dekretierte die Tageszeitung aus Hamburg, die die Gelegenheit, den wahren Friedensbringer zu präsentieren, nicht ungenutzt verstreichen ließ: "Inmitten der eskalierenden Gewalt setzte Palästinenserpräsident Mahmud Abbas gegen den Widerstand der regierenden Hamas für den 26. Juli eine Volksabstimmung über die Bildung eines Palästinenser-Staates an".

Die FAZ, die Zeitung für Deutschland und die Autochthonen, hatte am Montag besorgt in die Zukunft geblickt. "Es gibt zu viele 'versehentliche' Opfer von Militäraktionen, als daß man von einem bedauerlichen Einzelfall sprechen könnte. In den Augen der Weltöffentlichkeit wird Israels Armee den Terroristen immer ähnlicher, die ihre Kassem-Raketen wahllos auf israelische Städte richten." Und die, kaum zu glauben, werden sich immer unähnlicher. "Noch treffen sie nicht, aber die Terroristen lernen."

Obgleich das in Deutschland überflüssig ist, klärte auch die Süddeutsche Zeitung die Schuldfrage. Die "israelische Armee", kommentierte das Blatt, liefere der Hamas durch die "Tötung der palästinensischen Familie am Strand von Gaza" erst den Grund "für ein Ende der Waffenruhe". Des Friedensbringers Abbas' Plan hintertrieben, mittels Volksabstimmung für Frieden zu sorgen, hätte sowieso schon Ehud Olmert. "Für die Wiederaufnahme eines Dialogs sei das Dokument 'bedeutungslos', sagte er", klagt die SZ.

Unterdessen untersuchte die IDF, was sich am Strand von Gaza tatsächlich ereignete. Den deutschen Redaktionen, für die vorher die Täterschaft der israelischen Armee außer Zweifel stand, trotzdem es dafür eben keinen Beweis gab, ist es, erwähnen sie es überhaupt, keine explizite Richtigstellung wert. Während Peter Schäfers billige Propaganda keines der bei Heise sonst üblichen Updates erfuhr, übt etwa das Hamburger Abendblatt sich nun im Zweifeln. Und zwar richtig.

Achtung, lieber Leser, der Jude lügt möglicherweise, so die Botschaft der als Frage formulierten Headline: "Familie am Strand Opfer einer Mine?" Noch immer nämlich glaubt das Hamburger Abendblatt fest an die eigene Lüge, denn nicht nur stammt die mit einem Fragezeichen versehene aktuelle Meldung ausdrücklich von einer Agentur (AP), sondern es wird auch noch explizit auf die Lüge und die eigene Urheberschaft verwiesen - "das Abendblatt berichtete". "Das Abendblatt", nicht "Agenturen".

Der FAZ, und wohl nur sie, bekam unterdessen Post von der israelischen Botschaft in Berlin, die doch nichts ist als ein Zeichen der hilflosen Resignation der Vernunft vor dem antisemitischen Wahn, der deutsche Medien fest im Griff hat: "Jörg Bremer schreibt in seinem Kommentar am 12.06. auf Seite 1: 'In den Augen der Weltöffentlichkeit wird Israels Armee den Terroristen immer ähnlicher, die ihre Kassam-Raketen wahllos auf israelische Städte richten'.

Wenn ein Israelkorrespondent nicht erwähnt, dass Zivilisten für die israelische Armee niemals das Ziel sind (obwohl sie bedauerlicherweise manchmal involviert sind), und nicht klarstellt, dass Terroristen gerade Zivilisten im Visier haben, trägt er bestimmt zu solchen Meinungen bei.

Wenn der Israelkorrespondent der FAZ die Hamas in der Regel nicht als Terrororganisation bezeichnet (während die EU und nicht nur die israelische Regierung die Hamas als solche einstuft), für die Etzel-Bewegung dagegen den Begriff 'jüdische Terrororganisation' passend findet (FAZ, 13.6.2006, S.1), trägt er dazu bei, dass 'in den Augen der Weltöffentlichkeit [...] Israels Armee den Terroristen immer ähnlicher' wird."
Wahre Worte Amit Gilads, er ist der Pressesprecher der israelischen Botschaft, denen nichts hinzuzufügen ist. An Deutsche gerichtet sind sie freilich Verschwendung.

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