Monday, August 28, 2006

Friedensfreunde

Es hat Jed Babbin mit seinem 2004 erschienenen Büchlein Inside the Asylum eine so hervorragend - er prägt u.a. den schönen Begriff the EUnuchs - wie faktenreich formulierte Abrechnung nicht nur mit den Vereinten Nationen geliefert und ihrer Politik gegenüber ihrem Mitgliedsstaat Israel.

Er zeigt die von Kofi Annan angeführte UNO als eine moralisch aber auch finanziell korrupte Organisation, der es an einer wirksamen Selbstkontrolle fehle, wie der Skandal um das Oil for Food-Programm zeigt, den Kofi Annan unbeschadet überstand, trotzdem er alles unternahm, Ermittlungen zu behindern und auch familiär in ihn verstrickt ist.

Daß die Vereinten Nationen sind, was sie sind, nämlich ein Instrument totalitärer Diktaturen in deren Kampf gegen zivilisatorischen Fortschritt und gegen Menschenrechte, ist freilich auch nicht weiter verwunderlich, handelt es sich bei der Mehrzahl der Mitgliedsstaaten ja eben gerade nicht um Demokratien.

"Das Logo auf der Website der Vereinten Nationen proklamiert: 'Willkommen bei den Vereinten Nationen. Das ist Eure Welt.' Aber es ist nicht unsere Welt, die die Freiheit verteidigt und die Unterdrückung bekämpft. Oftmals sind es gerade die Vereinten Nationen, die Freiheit bekämpfen und Terrorismus und Tyrannei verteidigen." (S. 138) faßt Jed Babbin zusammen.

Konnten seine Sätze vor zwei Jahren vielleicht noch als Thesen gelesen werden, mit denen er im amerikanischen Wahlkampf seinen Beitrag leisten wollte - George Clinton wirft er vor, er habe seine Außenpolitik von der UNO bestimmen und nicht, wie es die Verfassung fordert, von nationalen Interessen leiten lassen -, erleben wir heute, wie sie sich bewahrheiten.

Am 12. Juli 2006 überfiel die Hisbollah, deren Entwaffnung die Vereinten Nationen zwei Jahre zuvor beschlossen, aber nie durchsetzten, Israel mit einem massiven Raketenangriff, der von einer anderen Aktion der islamfaschistischen Bande ablenken sollte: der Entführung zwei IDF-Angehöriger.

Als hätte es nie die UN-Resolution 1559 gegeben, welche der Hisbollah bescheinigte, daß von ihr eine Kriegsgefahr ausgehe, wurde Israel dafür angeklagt, sich die Dreistigkeiten der Nasrallah-Bande nicht länger gefallen zu lassen, sondern verurteilt, weil es erledigen wollte, wozu Kofi Annans UNO nicht gewillt war.

Selbst die Aussage Jan Egelands, immerhin UN-Koordinator für humanitäre Hilfe, daß die Hisbollah "sich feige unter Frauen und Kinder" mische, sie sogar auffordere, das Kampfgebiet nicht zu verlassen, während dagegen im Norden Israels Geisterstädte entstanden, scheint deren Ruf bei den Vereinten Nationen nicht geschadet zu haben.

"Die UN-Friedenstruppe im Libanon hat nach Ansicht der italienischen Regierung nicht die Aufgabe, die radikale Hisbollah zu zerstören. Der italienische Außenminister D'Alema sagte, die Hisbollah sei ein wichtiger Teil der libanesischen Gesellschaft." wird nun gemeldet. Italien soll ab Februar 2007 jene Truppen anführen, die als UNIFIL schon bisher untätig blieben.

Und während der deutsche Bundeswehrminister sich noch schießwütig gibt und ein "robustes Mandat" wünscht, sprachen andere den nötigen Klartext:
"Vor dem Besuch von UN-Generalsekretär Kofi Annan in Beirut hat Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah den Vereinten Nationen zugesichert, keinen Widerstand gegen die Stationierung der erweiterten Friedenstruppe UNIFIL zu leisten. Bedingung sei allerdings, dass die UN-Soldaten auf eine Entwaffnung der Hisbollah-Milizionäre verzichten, sagte Nasrallah am Sonntagabend in einem Interview mit dem libanesischen Fernsehen. 'Wir haben kein Problem mit der UNIFIL, solange ihre Mission nicht die Entwaffnung der Hisbollah ist.'"
Und mit der libanesischen Armee hat er schon gar kein Problem, deren Rolle beschrieb die Süddeutsche Zeitung schon am 18. August: "Die Entwaffnung der Hisbollah ist Aufgabe der libanesischen Armee, doch die wird sich der Miliz nicht entgegenstellen". Das machten unterdessen vor Wochenfrist die IDF. Kofi Annan gab sich erwartungsgemäß "tief betroffen" und verurteilte Israel.

Die Hisbollah verurteilte er nicht, auch Syrien und den Iran, die die Hisbollah mittlerweile offen unterstützen, scheinen in ihm einen guten Freund zu haben, denn von ihnen fordert er keine Reparationen für die Zerstörungen, die die Hisbollah in Israel anrichtete, er weiß wohl auch gar nicht, daß es sie gibt, weil er es nicht wissen will.

Das eint ihn mit einer anderen, die ihren antisemitischen Ausfällen kurz nach dem 12. Juli am Wochenende eine neue Episode hinzufügte: "Entwicklungs-Ministerin Wieczorek-Zeul besucht Beirut". Und dort, aber nur dort, "sucht [sie] den Kontakt mit Kindern und Frauen. Sie will wissen, wie sie zwischen den Ruinen leben", berichtet die Süddeutsche Zeitung. Von sich selbst meint sie, sie sei eine "Freundin Israels". Solche Freunde und Freundinnen hat es viele, gerade im Hauptquartier der Vereinten Nationen.

Wer wissen will, wie Freiheit und (bürgerliche) Demokratie in Zukunft verteidigt werden können - und auch gegen die Vereinten Nationen müssen, findet bei Jed Babbin anregende Vorschläge.

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