Friday, August 11, 2006

Die Blogger-Verschwörung

Der StürmerStern berichtet in seiner aktuellen Ausgabe darüber, "wie ein Rettungshelfer aus der Stadt Kana als Hisbollah-Agent verleumdet wurde": "Das Massaker von Kana, so munkeln Verschwörungstheoretiker im Internet, habe nur deswegen den Weg in die internationale Öffentlichkeit geschafft, weil die Hisbollah die Tragödie geschickt instrumentalisiert habe."

Das kann nicht sein, das darf doch nicht sein, echauffiert sich auch die andere deutsche Hisbollah-Postilletaz, die am 21. Juli titelte: "Israel bombt 700.000 in die Flucht". Die Süddeutsche Zeitung zitierte am gleichen Tag die Vereinten Nationen: "Etwa eine halbe Million Menschen sind den Vereinten Nationen zufolge [..] auf der Flucht" (SZ 21.07.2006, S. 3).

"Ist der Hisbollah alles zuzutrauen? Im Internet jedenfalls blühen die Verschwörungstheorien zum Libanonkrieg. Bestätigt wurde bislang zwar noch keine - doch das kümmert die Blogger wenig", beschwert sich da der Daniel Bax in der taz. "Makaber und geschmacklos" seien "solche Verschwörungstheorien, die derzeit im Internet blühen."
Eine von ihnen hat es der taz so angetan wie dem Stern, der "Green Helmet" als Blogger-"Propaganda-Opfer" zum Helden aufbaut. "Er ist kein Mitglied der Hisbollah. Normalerweise hilft er bei Waldbränden, Verkehrsunfällen oder Naturkatastrophen", berichtet das Wochenblatt, um Salam Daher zu zitieren:
"Ich habe mehr als zehn Kinder aus den Trümmern gezogen, bin am Ende ja fast selbst zusammengebrochen. Überall waren Fotografen, man konnte kaum richtig arbeiten. Einmal habe ich ein Kind hochgehalten, damit alle ein Bild machen konnten - aber doch nur, damit ich danach Ruhe hatte, um weiter nach Überlebenden zu suchen!"
Am Mittwoch, einen Tag vor dem Erscheinen des Stern, zeigte der NDR "Green Helmet" bei seiner Arbeit. Zweifellos "fast zusammengebrochen" gibt der "Rettungshelfer" den Regisseur und Hauptdarsteller in Personalunion. Makaber? Geschmacklos? "Keiner der anwesenden Journalisten oder Fotografen hatte den Eindruck, Teil eines Hisbollah-Schauspiels zu sein", behauptet der Stern. Aber für den waren ja auch des Führers Tagebücher echt.

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